Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 65 von 152

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Semmering 1912

Sehr Geehrtes Fräulein!

 

Sie lieben also Albert!?

Sie suchen also eigentlich einen Mann, dem Sie „sein Alles“ sind; der durch

Sie es vergißt, daß die Welt erfüllt ist von herrlichen, merkwürdigen, anmutigen

und originellen Geschöpfen!? Sie suchen also einen Idioten! Einen, dem Sie die

Schmach antun, ihn in einen Zustand zu versetzen, wie der Auerhahn auf der

Morgenbalze. Einen, der vor Gefühl nichts anderes mehr sieht und hört um ihn

herum! Um ihm etwas bieten zu können, rauben, stehlen Sie ihm seine

Weltenseele, und für eine Haarnadel aus Ihren Haaren gibt er das Glück von

Tausenden eventuell hin! Und diese Scheuklappenpolitik nennt Ihr dann

„Liebe“! Ein verdoppelter Egoismus, dem zum „heiligen Dreibund“ nur noch

der miserable Köter „Putz“ fehlt, an den Ihr Euch gemeinsam attaschiert!