Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 122 von 152

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Semmering 1912

Ein Komtessen-Brief

 

Lieber Peter Altenberg,

weshalb sagen Sie mir das über die „göttliche Vollkommenheit meines

Leibes“, den Sie unbedingt unter allen Hüllen nackt sehen?! Ich habe doch schon

alle Untugenden, die unser Stand, unsere Sorgenlosigkeit, unsere Verwöhnung

von früh bis abends, mit sich bringen ohne unser Hinzutun!? Jetzt kommt noch

die Begeisterung eines Dichters hinzu, also eines Menschen, der nichts will als

begeistert, berauscht, gerührt sein?! So ein Beschenker! Sie werden mich nicht

eitel machen, Edler, ich werde nur denken: „Vielleicht verhilft es ihm zu einem

Gedichte, das wieder anderen hilft, wenn sie es lesen!?“ Und dennoch habe ich

mich abends in dem Stehspiegel angeschaut und gedacht: „Dichter wissen doch

alles!“