Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 45 von 152

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Semmering 1912

Berghotel-Front

 

Sechs Uhr morgens. Ein nebeliger Julimorgen. Alles duftet nach

feuchtigkeitsdurchsogenem Waldboden. Alle Fenster sind geschlossen, bis auf

die der jungen Schönheit, die vor den Toren der Lungentuberkulose angelangt

ist. An diesem Fenster hängt, vom gestrigen Abendprunke, ein tiefblau seidenes

Gewand, bewegt sich im Morgenwinde. Irgendwo singt eine Kinderfrau ein

Kindchen wieder in den unterbrochenen Morgenschlaf ein. Ein Hund kriecht

vorüber, als käme er von einer Sündennacht außer Hause. Ich denke: „Klara,

Franziska, Sonja — — —“, und belausche ihre geliebten Kinderatemzüge, die

ich nicht höre!