Semmering 1912
Berghotel-Front
Sechs Uhr morgens. Ein nebeliger Julimorgen. Alles duftet nach
feuchtigkeitsdurchsogenem Waldboden. Alle Fenster sind geschlossen, bis auf
die der jungen Schönheit, die vor den Toren der Lungentuberkulose angelangt
ist. An diesem Fenster hängt, vom gestrigen Abendprunke, ein tiefblau seidenes
Gewand, bewegt sich im Morgenwinde. Irgendwo singt eine Kinderfrau ein
Kindchen wieder in den unterbrochenen Morgenschlaf ein. Ein Hund kriecht
vorüber, als käme er von einer Sündennacht außer Hause. Ich denke: „Klara,
Franziska, Sonja — — —“, und belausche ihre geliebten Kinderatemzüge, die
ich nicht höre!