Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 110 von 152

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Semmering 1912

Waschungen

 

„Ich wasche mich täglich unmittelbar nach dem Aufstehen vom Kopfe bis

zu den Zehen, zuerst lau und dann kalt,“ sagte das wertvolle moderne Mädchen

zu mir.

„Sehr gut,“ erwiderte ich, „aber ich glaube nicht, daß Jeanne d’Arc dazu

immer Zeit hatte, als sie in die Schlacht mußte, um Frankreich zu erretten!“

Als ich sehr krank lag, nahm es mich immer „Wunder“, daß meine

Geliebte, nach einer durchwachten und durchsorgten Nacht, noch immer die

Energie fand, sich morgens vom Kopf bis zu den Zehen einzuseifen und

abzuspülen.

Sie sagte zwar: „Das tue ich, um mich für dich frisch zu erhalten!“

Aber, siehe, ich glaubte ihr das nicht.

Es war das „gottlose Weibchen“ in ihr, das trotz allem und unter allen

Umständen, sich appetitlich erhalten wollte! Für wen?! Nun — — — für alle!