Semmering 1912
Buchbesprechung
Ich habe mir das Buch schenken lassen vom Verlag J. J. Weber, Leipzig:
„Rosen und Sommerblumen“. Ich lese es, ich betrachte die 160 Photographien,
wie ein Werk von Maeterlinck! Jede Rose erblüht mir, als wandelte ich in einem
Märchengarten. Alles wird Wirklichkeit. Ich sehe die Kletterrosen über alle
Mauern, Wände, Gitter sich hinaufschwingen, blühend rosigweiße Pracht
verbreitend über kahle, harte, notwendige Dinge! Ich sehe das Kletterröschen:
„Maidens blush, Mädchens Erröten“, ich sehe die Immergrünrose: „Félicité et
perpétuité“. Ich sehe „soleil d’or“, goldgelb mit rosigen Rändern. Ich sehe
„Memorialrose“, für Grabdenkmäler, „Minnehaha“, die mich an Wedekinds
herrliches Buch erinnert, das von der Nackterziehung erlesener Geschöpfe
handelt, ich sehe die Rose „Katharina Zeimet“, mit Wildrosencharakter, wie
manche scheinbar zarte Frauen, die Rose „Konrad Ferdinand Meyer“, die
„Beauty of the Prairies“, die weiße Rose „Frau Karl Druschki“, die Bourbonrose
„Souvenir de la Malmaison“ (in der Todesstunde getauft der Kaiserin Josefine).
Ich sehe Rankrosen in düsterem Hohlweg glühen; Crimson Ramblerrose in
riesigen rostrot lasierten ausgebauchten Töpfen, Japan vorzaubernd und seine
Gärten; vergeblich suche ich eine Rose „Kronprinzessin Cecilie“! Rosenzüchter,
dichtet mir in der ganzen weiten Welt eine Rose, die dieser Herrlichsten wert
wäre! „Kronprinzessin Cecilie“, du müßtest einen Platz erhalten im Garten, daß
man schon von weitem deine deutsche und dennoch internationale Pracht
verspürte!