Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 57 von 152

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Semmering 1912

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Niemand beschrieb noch körperliche Qualen — —

weißt du, wie Brandwunden sind am zarten Fingerballen?! So brennt es dir

im ganzen Leibe,

und keine Linderung durch aufgelegtes Leinöl;

es brennt Tag und Nacht.

Wie eine mittelalterliche Folter, der du unterliegst; die Folterknechte aber

sind im Innern; und unsichtbar ereignet sich das Schreckliche.

Scheinbar friedlich sitzest du in deinem Zimmerchen,

und draußen ist der braune Bergwald.

Er kann dir nicht mehr helfen, er, der dir einst half zu den Begeisterungen,

dem besten Mittel, jung und stark zu sein!

Und nachmittags irr’ ich in den langen, schmalen, düsteren Korridoren,

das Antlitz meiner kleinen Heiligen zu sehn.

Wenn ich sie erschaue, ergreift mich der Gram.

„Wie geht es Ihnen heute?!“ sagt sie sanft, und blickt erstaunt auf diese

menschliche Ruine, die ihr fast täglich tiefe Hymnen singt — — —.