Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 105 von 152

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Semmering 1912

Gleich Beim Hotel

 

Gleich beim Hotel, links von der weißen Straße

ist eine abschüssige Wiese, die niemand betritt.

Im Urzustande ist das vielfarbige Fleckchen.

Auf roten Disteln wiegte sich der Distelfink,

und graue Brennesseln bargen gelbe Schnecken.

Es war ein Gewirr von braun und grau und weiß,

mannshoch und dicht. Im Mondlicht lag es düster.

Hier erschaute ich der holden Jahreszeiten holden Wechsel.

Oberhalb wurde gebaut mit hunderttausend weißen Betonwürfeln,

und unten war das Bahngeleise nach Triest.

Hier aber, auf dem abschüssigen unzugänglichen Wiesenfleckchen, gab ein

Monat dem anderen die Tür.

Ein jeder kam in seinem Prachtgewande.

Und jeden grüßte ich dankbaren Blicks.

Es war mein Kalender. Ich erkannte jeden Monat, jede Woche, ja jeden Tag

an den Veränderungen.

Als alles blühen wollte, sah ich es voraus;

ich sah voraus, als alles sterben mußte!

Wer wird dich nun betrachten, da ich fort bin?!

Es ist, und ist dennoch nicht mehr — — —.

L’âme, c’est la nature, devenue consciente de soi-même!

Et puis: La nature n’existe que lorsqu’on l’aime!