Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 90 von 152

PDF-Seiten

Semmering 1912

Letzte Unterredung

 

„Peter, was ist Ihnen?! Sie schauen so verzweifelt aus, und vor allem so

bleich — — —.“

Er schweigt.

„Peter, ist es wegen des jungen Architekten?!“

Er schweigt.

„Peter, Sie lieben mich seit meinem 12. Lebensjahre. Von Eltern, von

Gouvernanten, vernahm ich nur: ‚Du mußt, du sollst!‘

In Ihren Augen lag von jeher eine unermeßliche Zärtlichkeit. Das darf ich

Ihnen nicht vergessen, Peter. Es war der Lichtblick meiner düsteren Kindheit.

Und oft wenn ich dachte: Wozu bist du?! da dachte ich sogleich: Er hat mich

lieb! Von Ihrem Blicke lebte ich, das sag’ ich Ihnen nun.“

Er senkt das Haupt — — —.

„Peter, ich kann erst ganz glücklich sein, bis Sie mich wieder anschaun,

lichten, liebevollen Antlitzes, wie eh und je — — —.“

Da schaute er sie an, an, an, lichten, liebevollsten Antlitzes, wie eh und je,

so wie sie es brauchte und verlangte — — —. Ihr, Ihr zuliebe, damit sie wieder

schimmere, leuchte, in ihren schlimmen Koketterien!