Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 120 von 152

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Semmering 1912

Erkenntnis

 

Alle Frauen rächen sich am Manne für irgendeine Unzulänglichkeit, die sie

besitzen! Häßliche Fingernägel machen sie bereits boshaft und gereizt. Von

einem „unidealen Busen“ gar nicht zu sprechen! Da begehren sie Tag und Nacht

auf mit dem grausamen Schicksal, verzehren sich in Leid, und lassen sich’s nicht

merken! Deshalb muß eigentlich jeder Mann milde sein, gerührt, gestimmt zum

Verzeihen! Wenn eine die Genialität hätte, es zu sagen: „Ich bin unglücklich über

mich selbst!“ Aber das wagen sie nicht, es sich selbst einzugestehen. Sie

verlassen sich auf die Güte des Mannes, der sich „sekkieren, quälen, ungerecht

behandeln“ läßt! Sie haben aber recht, denn seine Liebe ist von Gott eingegeben,

und ihr Schicksal ist irdisch und ein bißchen vom Teufel! Er hat die göttliche

Kraft zu leiden mitbekommen, sie die irdische Schwäche, glücklich sein zu

wollen!