Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 55 von 152

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Semmering 1912

Ereignis

 

Am 24. Juli haben sie die Bergwiesen gemäht — — —

hingeschnitten die diskreten Farben eines alten Perserteppichs — — —

die Duft-Symphonien abgebrochen unserer „musikalischen Nasen“! Wie

ein Kapellmeister „abklopft“.

Frischer einfacher Heuduft wurde sogleich, und schon ahnte man feiste

Kühe mit den Stampfmühlen ihrer feuchten Mäuler für die rosigen Euter es

vorbereiten!

Wie Urkraftrausch waret ihr, Bergwiesen, bis zum 24. Juli.

Es dröhnte von Hummeln; es schimmerte braunwolkig, distellila,

schafgarbenweiß , königskerzengelb, arnikagold; es roch wie „Menagerie“,

„Apotheke“; wie Bienenhonig schmeckt, so roch es im vorhinein.

Es betäubte süß und belebte.

Es vermittelte: sanft einschlummern, frisch erwachen!

Nun ist es nicht mehr.