Semmering 1912
Bobby
Ich habe sowieso nichts mehr zu verlieren, nichts mehr zu gewinnen, ich
stehe vor der „großen Abrechnung“ meines Lebens. Jetzt erkläre ich, daß ich die
weiße, hellbraungefleckte echtrassige Foxterrierhündin Bobby, mit ihren acht
rosigen Brust- und Bauchwarzen (selbst die edelsten Damen haben nur deren
zwei), für schöner, graziöser, liebenswürdiger, herzlicher, menschenfreundlicher
halte als die meisten Frauen. Sie erregt nie in mir Eifersuchtsqualen und
Verzweiflung, hat eine unbeschreibliche Freude, wenn ich nett zu ihr bin, sagt
nie bei einer solchen feinfühligen Gelegenheit: „Zahl’ lieber an Kaviar und laß
die billigen Faxen — — —.“ Denn erstens frißt sie Gott sei Dank gar nicht
Kaviar, und zweitens „fliegt sie“ grad auf meine „billigen Faxen“, d. h. meine
seelische Verehrung, Anerkennung und Liebe!
Ich ziehe also Bobby allen Frauen vor, freilich sage ich das erst öffentlich
am Ende meiner sogenannten „Liebeslaufbahn“, mit einem Wort: nach meiner
Schlacht von Sedan. Bobby hat um mich geweint, gewinselt, sich gekränkt, den
Appetit verloren. Die übrigen Weibchen hatten gerade in meiner Gesellschaft
stets einen riesigen Appetit, während ich kaum die Absicht hatte, ihnen ein
„Kalbsgulasch“ zu bezahlen. Und dann, Bobby hat noch einen großen Vorteil,
sie gehört nämlich gar nicht einmal mir, sondern einer reizenden bekannten
Dame, der die Fürsorge für sie obliegt. Ich selbst schmeichle mich nur bei Bobby
ein, um ihre zärtliche Freundschaft zu genießen. Ich will keine Spesen haben,
und „äußerln“ führe ich auch nicht. Frauen haben immer irgendwelche
Bedürfnisse! Aber ich bin nicht in der Lage, sie zu befriedigen — — —. Das
nimmt zu viel Kräfte weg und Zeit! Liebe ohne alle Spesen ist meine letzte
Erkenntnis auf Erden.