Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 143 von 152

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Semmering 1912

Jalousie

 

Eifersucht?!

Fraue, du steckst mir meine Grenzen?! Bis dahin und nicht weiter?!

Kindische Törin!

Bin ich nicht eifersüchtig auf die Luft, die du in deinen geliebten warmen,

feuchten Mund einatmest?!

Wie darf sie, ganz gefühllos, die weichen Innenwände deines Mundes

spüren?!

Bin ich nicht eifersüchtig auf den Bissen, den du mit dem geliebten

Speichel sanft umnässest?!

Von da zum Blick von Sympathie und Freude, zu einem lebendigen Mann,

ist noch eine Welt!

Du wunderst dich, daß ich verzweifelt bin,

da ich dem Löffel doch schon deine Zunge nicht gönne!

Ich trauere um alle Schätze, die du so vergeudest; dem Bette deine

Ausdünstung, dem Glase deine Lippen!

Aber beim „lebendigen Mann“ ergreift mich der Irrsinn.

Weshalb stirbt er nicht momentan vor Glück, der feige Hund?!

An seiner Leiche würde ich weinen, ihn beneidend um seinen schönen Tod.

Jedoch, er geht lebend hinweg, und denkt: „Die könnt’ ich haben!“

Fluch ihm, nein, dir!