Semmering 1912
Manövers
Die Herren „Verehrer“, die wie Toreros aussehen oder wie kühne Cowboys
oder wie französische Ritter aus dem 18. Jahrhundert, sei es von des Buges ihrer
Nase Gnaden oder von Schneiders; die treten selbstsicher-nonchalant auf, sitzen
oft mit dem Rücken gegen die Dame und sagen sogar, daß dieser oder jener
Spaziergang ihnen nicht konveniere und sie es daher vorzögen, sich nicht
anzuschließen und lieber in Ruhe ein gutes Buch zu lesen! Wenn man eine
schöne Nase hat, kann man das allerdings wagen. Aber die Mißgewachsenen
müssen eine andere Taktik einschlagen. Pakete tragen, Schirme aufheben und zu
allem „Amen“ sagen, ist ihre kleine, süße Aufgabe. Auch damit kann man nette
Erfolge einheimsen, und Opfer sind für „Opferfähige“ nicht allzu groß. Im
ganzen genommen sind die armen Damen von einer wohlberechneten „Routine“
umgarnt, wie die italienischen Singvögel von den feinmaschigen Netzen. Selten
schlüpft eines der herzigen Vögelchen durch, durch die engen Maschen, die ihrer
Eitelkeit gelegt sind. In dieser Gesellschaft von Eroberern sticht besonders
hervor der immerhin seltenere „Salonplattenbruder“, der „seelische“
Messerstecher. Er sticht gleich in die Ehre, in den Ruf, in das Glück hinein,
macht sich nichts aus drei Monaten Kerker, wollte sagen, aus Frauenverachtung.
Diese „Verachtung“ sind seine „Geschäftsspesen“. Dafür hat er sie „gehabt“!
Einer drang um 1 Uhr nachts in das Zimmer ein: „Ich sage in jedem Falle
morgen, Fräulein, daß Sie mich bestellt haben! Also ist es schon ganz egal für
Sie!“
Das leuchtete ihr ein — — —.