Semmering 1912
Gespräch
„Wie ist das also, Peter, mit dem ›Geben‹, wie Sie immer behaupten, das
seliger sein soll als das ›Nehmen‹?! Wie ist das?!“
„Das ist also so: wenn du an einem Bettler vorbeigehest, und du bist nur
erfüllt, gehoben, durchwärmt von dem Gefühle, eine exzeptionelle Freude
jemandem bereiten zu wollen, die in deiner Macht steht, sie zu spenden, und du
schenkst ihm da eine Krone, während er dich ansieht, anstarrt, als hättest du dich
nur in der Münzsorte vergriffen, du aber gehest, ihm zunickend, hinweg
— — — das ist: Geben ist seliger denn nehmen! Wenn du aber denkst: „Pfui,
diese Belästigung! Dieser alte zerfetzte, demütige Hund!“ Und du gibst ihm
dennoch 20 Heller, so hochnäsig-widerwillig, dann, dann ist: Geben unseliger
denn nehmen!“
„Peter, also da hast du — — — 20 Heller! Nein, ich habe nur Spaß
gemacht. Ich will dir eine Krone schenken, hole sie dir heute nacht von meinem
Nachtkästchen ab — — —.“