Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 121 von 152

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Semmering 1912

Klara

 

13. Juli, vormittag. Sie ging, in weißem Kleide, langsam den Wiesenweg

hinauf. Ich sah sie; und sah sie wieder nicht. Sie grüßte, und ein Gebüsch

verdeckte sie. Dann sah ich sie wieder. Langsam sah ich ihr weißes Kleid und

ihre blonden Haare dem Wald zuschweben. Ich stand gebannt und grüßte nicht.

Sie wußte, wie mir zumut war. Sie grüßte noch einmal. Wie wenn man sagte:

„Du bist der erste, der gebannt steht und es vergißt, zu grüßen — — —!“

Sie wußte dennoch nichts von ihrer heiligen, schrecklich-süßen Macht. Ich

aber warf mich aufs Bett und weinte — — —. Dann kam sie zurück. Ich sah ihr

weißes Kleid und ihre blonden Haare. Gebüsch verbarg sie, mochte sie

entschwinden. Dann sah ich sie wieder. Ich verneigte mich. Sie ging vorüber;

und wie eine Regenwolke kam es über die lichte Landschaft — — —.