Semmering 1912
Erster Schnee
12. September 1912. Es regnete und es schneite zugleich. Der
Sonnwendstein war bedeckt mit Schnee. Das war ein Lokalereignis. Jedermann
besprach es eifrig. Die herrliche 14jährige, wie eine Venetianerin aus dem 18.
Jahrhundert, stellte sich an die Fensterscheibe und sah hinaus. Alles andere ward
sogleich dagegen lächerlich und gleichgültig. Für sie war Schnee gefallen auf
dem Sonnwendstein, denn sie interessierte sich dafür. Ich hätte ihr zwei Meter
hohen Schnee gewünscht, ganze weiße Hügel und Abgründe, damit sie sich
besser amüsiere bei dem Anblick! Sie sah hinaus, und ich beneidete die
Fensterscheibe um den Hauch ihres unbeschreiblich schön modellierten Mundes.
Überall zogen Nebelfetzen dahin, dorthin, zerfetzten, verwischten die
Landschaft, ertränkten sie in Grau. Das junge Mädchen begann sich zu
langweilen. Es wird ein öder Tag werden in diesem Berg-Hotel. Mir erschien er
licht und wertvoll! Sie setzte sich hin, um mit einem Kinde ein Spiel mit gelben,
grünen, lila Würfelchen zu spielen. Sie ließ das Kind absichtlich gewinnen. Das
Kind sagte: „Mit dir spiele ich nicht mehr, du spielst zu schlecht, immer verlierst
du, du Ungeschickte!“