Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 67 von 152

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Semmering 1912

Ewige Erinnerung

 

Von Kortina brachen wir auf, Automobil, 9 Uhr morgens, und schlängelten

uns hinauf, auf den Falzaregopaß, 2117 Meter. Hinter dem Hotel pflückte ich

„Speik“, diese weiße duftende Bergblume, Kindheitserinnerung. Der Boden war

schwarz, weich und feucht; und überall rieselte Schneewasser. Und dann hinab

ins Tal. Und von da aus sogleich wieder auf den Pordoihjochpaß, Kristomanos-

Schutzhaus, 2250 Meter. Da gab es gar keine Blumen mehr, wie herrlich. Der

starre Sturm verbat sich alles Blühen. Er stöhnte und beherrschte! Wie wenn

man als Kind eine große Seemuschel ans Ohr dicht anlegt, so brauste es. Nur

sagt man in jenem Falle, das Tosen des Meeres sei in der Muschel eingefangen.

Hier aber ist nichts eingefangen; man sieht das Brausen über die kahlen gelb-

braunen Wiesen; ganz aus erster Hand vernimmt man den Sturm. Im wunderbar

warmen geschützten Speisezimmererker nahm ich ihr Bild heraus (Kl. P.),

betrachtete es lange. Ich dachte: „Mit dir hier zu sein!“ Aber es wird nie, nie,

nie, nie sein — — —. Wie schade.