Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 112 von 152

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Semmering 1912

Falzarego-Pass-Höhe

 

2250 Meter. Also zum erstenmal seit meiner jauchzenden Kindheit wieder

auf steinbesäter Bergalm mit dunklen Latschenkiefern, weißem Speik und

Geruch von Ziegen.

Irgendein Wässerlein tropfte, sickerte von ausgelaugten Felsenplatten.

Meine Hand berührte zärtlich die polierten Nadeln des Zirbelholzes. Ich lauschte

dem Rauschen im Legföhrenwalde. Das Knieholz schwankt nicht im

Bergföhnstöhnen. Die Stämme sind wie Kautschuk. Der schwarze Weg ist feucht

und klebrig.

Ich gedachte des „Ochsenbodens“ auf dem Schneeberg, Märchen meiner

Kindheit. Wie liebte ich diese fahlen blumenlosen Matten mit Geruch von

weidenden Tieren!

Wie wenn der Kreis sich schlösse meines Daseins. Auf Bergmatten begann

es mit unbewußtem Jauchzen, auf Bergmatten endet es mit ernster Wehmut.

Falzarego!