Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 115 von 152

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Semmering 1912

Erlebnis

 

Ich kaufte mir für eine Krone eine Porzellankaffeeschale mit gemalter

Ansicht: „Semmering, Hotel Panhans“, steckte eine große Rolle Papier hinein,

auf dem geschrieben stand: „Das sind die „Andenken“, die die reichen Damen

ihren unglücklichen Dienstboten vom Semmering mitzubringen pflegen!“

Und das Dienstmädchen sagt gerührt: „Aber gnä’ Frau, nein so was

— — —!“

Aber sie meint: „Nein, so was Billiges, Scheußliches!“

Kaum hatte ich die Sache auf meinem Tische aufgestellt, besuchte mich ein

reicher Gutsbesitzer. „Großartig,“ sagte er, „wir fahren heute weg. Meine Frau

hat drei solcher Kaffeeschalen für unsere Dienstboten gekauft! Und ich sag’

Ihnen doch, mein lieber Altenberg, solche Leut’ freut das am meisten!“ „Ja,

Schnecken!“ wollte ich sagen, aber ich sagte: „Selbstverständlich, sicherlich.“

Dann sagte er: „Zeigen Sie’s jedesfalls meiner Frau, vielleicht gift’ sie sich.“