Kleine Dichtungen
Die Landschaft
Alles war so schaurig. Nirgends ein Himmel, und die Erde war naß. Ich ging,
und indem ich ging, legte ich mir die Frage vor, ob es nicht besser sei, mich
umzudrehen und wieder heimzugehen. Aber ein unbestimmtes Etwas zog mich
an, und ich verfolgte meinen Weg durch all die düstere Verhängtheit weiter. Ich
fand an der unendlichen Trauer, die hier ringsum herrschte, Gefallen. Herz und
Phantasie gingen mir auf in dem Nebel, in dem Grau. Es war alles so grau. Ich
blieb stehen, gebannt vom Schönen in diesem Unschönen, bezaubert von den
Hoffnungen inmitten dieser Hoffnungslosigkeiten. Es schien mir, als sei es mir
fortan unmöglich, noch irgend etwas zu hoffen. Dann schien es mir wieder, als
schlängle sich ein süßes, unsagbar reizendes Glück durch die trauervolle
Landschaft, und ich glaubte Töne zu hören, aber es war alles still. Noch ein
anderer Mensch schritt durch das Gehölz, durch all dieses schwermütige
Schwarz. Seine vermummte Gestalt war noch um etwas schwärzer als das
Schwarz der Landschaft. Wer war er, und was wollte er? Und nun tauchten bald
noch andere schwarze Gestalten auf, aber keine der Gestalten kümmerte sich um
die andere, jede schien genug mit sich selbst zu tun zu haben. Auch ich
kümmerte mich nicht mehr, was diese Leute wollten und wohin sie gehen
mochten in der Finsternis, sondern ich kümmerte mich um mich selbst und zog
hinaus in die eigene Unklarheit hinein, die mich mit nassen, kalten Armen rasch
umarmte und an sich riß. O es kam mir vor, als sei ich einst ein König gewesen
und müsse nun als ein Bettler ziehen in die weite Welt, die da strotzt von
Unkenntnis, die da strotzt von dicken und finsteren Gedanken- und
Gefühlslosigkeiten; es kam mir vor, als sei es ewig nutzlos, gut zu sein, und ewig
unmöglich, redliche Absichten zu tragen, und als sei alles töricht und als seien
wir alle nur kleine Kinder, zum voraus den Torheiten und Unmöglichkeiten
überliefert. Dann gleich nachher war wieder alles, alles gut, und ich ging mit
unaussprechlich freudiger Seele weiter durch die schöne fromme Dunkelheit.