Kleine Dichtungen
Wirtshäuselei
Eines Tages, im heißen Sommer, geschah es, trug es sich zu und machte es
sich, daß ich mich ganz furchtbar für Gaststuben interessierte. Ich weiß nicht, ob
es ein Zauberspuk war, genug, es zog mich bald in dieses, bald in jenes
Wirtshaus hinein. Meistens sind ja die Wirtshäuser auch gerade so schön bequem
an der Straße gelegen. Und kurz und gut, ich kehrte dir, lieber Leser, da und dort
hübsch artig und solid ein. Ich bin sonst ein sehr, ein sehr solider Mensch, doch
an diesem Tag erreichte ich den Gipfel alles dessen, was handwerksburschenhaft
und unsolid ist. Wie eine Leidenschaft war es über mich gekommen, daß ich
alles, was einem »Schwanen«, einem »Löwen«, einem »Bären«, einer »Krone«
oder einem »Rebstock« ähnelte, untersucht und erforscht haben mußte. Bald war
es ein Zweier, bald ein Dreier und bald ein halber Liter, was ich trank, und ich
trank mit dem größten Vergnügen beides, Rot- wie Weißwein. Wollte ich ein
Weinkenner werden? Lag eine dunkle Absicht in mir, mich zum Weinhändler
und -schmecker auszubilden? War das Ganze eine Phantasie? Ein Traum? Nein,
nein, es war Wirklichkeit. Die Sonne, o wie lächelte sie so süß auf den heiter-
blauen Tag herab, den ich vertrank. Und so ging es von einer
Einkehrsgelegenheit recht manierlich in die nächstbeste andere. Es war ein
Einkehren und draus wieder Herausfegen, und als die Sonne untersank, hatte ich
etwas so Schönes, etwas so rätselhaft Schönes im Besitz. Etwas Herrliches hatte
ich mir zu eigen gemacht. Ich besaß Reichtümer, unerhörte Reichtümer, es
flimmerte und tanzte mir vor den Augen. Kaum vermochte ich noch zu gehen, so
stark drückte eine holde, reiche Last auf mich herab. Das Gehen kam mir wie ein
fremdartiges, unbegreifliches Etwas vor, und eine Lust war in mir, umzufallen
und friedfertig am Boden liegen zu bleiben. Was hatte, was hatte ich denn nur
jetzt? Was war's, was ich an mich gerissen, was ich mir erobert hatte? Ich besann
und besann mich, aber ich vermochte es mir nicht zu erklären.