Kleine Dichtungen

Robert Walser · Kapitel 66 von 126

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Kleine Dichtungen

Die Handharfe

 

Ich stand in der finsteren, sternenlosen Nacht an einer Straße, die hinauf ins

Gebirge führt. Da kamen mit Musik und lustigem Gespräche drei Knechte oder

Burschen an mir vorüber und gingen im kecken Taktschritt weiter. Bald umfing

sie die Finsternis, und ich sah schon nichts mehr von ihnen, aber die Handharfe,

welche einer von den dreien kunstgerecht spielte, drang zurück aus dem Dunkel

und bezauberte mein Ohr. Im Spiel der Handharfe sind bisweilen simple junge

Leute große Meister. Dieses Instrument bedarf einer starken, festen Faust, und

hieran lassen es Burschen aus den Bergen gewiß nicht fehlen. So stand ich denn

und lauschte. Der prächtige, königliche Ton, sanft, groß und warm, ging mit den

Burschen in immer weitere Ferne. Sie mochten jetzt im Walde angelangt sein,

der Ton wurde weicher und leiser, in Wellen stieg er auf und nieder. Ich dachte

über einen Vergleich nach und verglich den Klang mit einem Schwane, der

tönend durch die Finsternis gleite. Bald war alles still. In den Berggegenden

ziehen die Knechte gerne handharfespielend vor die Häuser, in denen ihre

Mädchen wohnen. Auch die drei Burschen gingen zu einem Mädchen.