Kleine Dichtungen
Die Handharfe
Ich stand in der finsteren, sternenlosen Nacht an einer Straße, die hinauf ins
Gebirge führt. Da kamen mit Musik und lustigem Gespräche drei Knechte oder
Burschen an mir vorüber und gingen im kecken Taktschritt weiter. Bald umfing
sie die Finsternis, und ich sah schon nichts mehr von ihnen, aber die Handharfe,
welche einer von den dreien kunstgerecht spielte, drang zurück aus dem Dunkel
und bezauberte mein Ohr. Im Spiel der Handharfe sind bisweilen simple junge
Leute große Meister. Dieses Instrument bedarf einer starken, festen Faust, und
hieran lassen es Burschen aus den Bergen gewiß nicht fehlen. So stand ich denn
und lauschte. Der prächtige, königliche Ton, sanft, groß und warm, ging mit den
Burschen in immer weitere Ferne. Sie mochten jetzt im Walde angelangt sein,
der Ton wurde weicher und leiser, in Wellen stieg er auf und nieder. Ich dachte
über einen Vergleich nach und verglich den Klang mit einem Schwane, der
tönend durch die Finsternis gleite. Bald war alles still. In den Berggegenden
ziehen die Knechte gerne handharfespielend vor die Häuser, in denen ihre
Mädchen wohnen. Auch die drei Burschen gingen zu einem Mädchen.