Kleine Dichtungen
Sonntagmorgen
Heute, am Sonntag, ging ich früh ins nahegelegene Land hinaus. In unserer
Gegend berühren sich Stadt und Land wie zwei gute wackere Freunde. Ich
machte nur hundert Schritte, oder vielleicht noch hundert dazu, und da lag schon
der ländliche, zarte Winter vor mir mit seinen strubbligen Bäumen und seinem
lieblichen Wiesengrün. Ich kam zum Wald, der so schön, so still in der grauen,
kalten Luft dastand mit graziösen Tannenwipfeln. Aus einem entfernteren
Pfarrdorf klangen die Sonntagsglocken laut und doch leis und still daher über
den Waldsaum hinüber. Kälte und hartgefrorener Weg und ein schönes breites
Bauernhaus in dem Gewirr von schwärzlichen Winterbäumen. Ein zarter,
friedlicher Rauch stieg wie lächelnd aus dem Kamin, und ein kleiner, lustiger,
kecker Feldweg schlängelte sich quer durch den Acker in den Wald hinein. Ich
ging an sonntäglich gekleideten Menschen vorbei in meinen alten, lieben
Wunderwald hinein, später jenseits wieder hinaus, wo wieder Weg und Feld,
grauer Himmel, Baum und Haus und andre Leute mir begegneten. Es lag in aller
Winterkälte und -gestorbenheit so viel warmer Friede, so viel uraltes und ewig
wieder junges und frohes Leben. Eine grüne Anhöhe guckte schelmisch zu mir
hernieder. Ich liebe, liebe mein Land mit seinen Pfaden, Ecken, Kreisen und
Winkeln. Bald war ich zu Hause im angenehm geheizten Zimmer. Ich setzte
mich an den Tisch, ergriff die Feder und schrieb dieses.