Kleine Dichtungen
Der Ausflug
Ich ging aus der Stube auf die Straße. Es war zu schönes Wetter, ich
vermochte nicht das schöne Wetter zu betrachten und dabei zu Hause zu bleiben.
Mild wie ein kleines, artiges Kind sah die Welt aus, so still und hell, so
freundlich-grünlich. Gravitätisch und ernsthaft schritt ich vorwärts wie einer, der
einen wichtigen Gang zu machen hat, etwa wie ein sanfter, gesetzter
Steuereinnehmer oder fast wie ein Notar, der über das Land läuft. Es ist mir zur
Gewohnheit geworden, stets so aufzutreten, wie wenn ich Wichtiges und
Nützliches im Sinne hätte. Man sieht gut aus so, und die Leute achten einen.
Beim Bahnübergang mußte ich warten, aber ich blieb ganz gern eine kleine,
feine Weile stehen. Alsdann und so ging es weiter, durch ein Dorf, das ganz in
Lieblichkeit gebadet dastand, durch einen Wald, zum Wald wieder hinaus über
ein Feld durch ein anderes Dorf. Stellenweise war der Weg recht pappig, breiig
und schmutzig. Da tat ich, als sei ich weiß wunder wie entsetzt über die
Unreinlichkeit, wie der feinste Herr der Welt. Das Dorf war groß und schön, und
da stand auf der grünen sanften Anhöhe ein Bauernhaus, eine rechte Pracht von
einem Haus. Spielende Kinder auf der Landstraße und alles so leise, so dunkel,
so hell und so weich. Es war, als erwarte die ganze Welt etwas Liebes und
Schönes, stehe darum so zart da, so still. Das Dorf hatte ein so kluges, gescheites
Aussehen, und das Wirtshaus stand so imposant an der Straße, daß ich recht
ordentlich Respekt vor ihm bekam und kaum an ihm aufzuschauen wagte. Auch
war die gestrenge Ortspolizei in nächster Nähe, bei deren Anblick ich mir so
eigentümlich vagabundenhaft vorkam. O das Gehen in die weite, saubere, stille
Welt hinein ist eine Königslust. Ein zweites Dorf tauchte bald danach auf. Dann
ging ich den Berg hinauf. Auf dem Berg oben stand in der Waldlichtung ein
wunderschönes, altes Gehöfte, so stolz, still und einsam. Bald ging ich wieder
bergabwärts, durch den winterlich kahlen Wald. Abends war ich zu Hause,
gerade schön pünktlich zum Abendessen. Ich bin und bleibe halt ein sonderbarer
Freund der Pünktlichkeit.