Kleine Dichtungen
Kleine Wanderung
Ich lief heute durch das Gebirge. Das Wetter war naß, und die ganze Gegend
war grau. Aber die Straße war weich und stellenweise sehr sauber. Zuerst hatte
ich den Mantel an; bald aber zog ich ihn ab, faltete ihn zusammen und legte ihn
auf den Arm. Das Laufen auf der wundervollen Straße bereitete mir mehr und
immer mehr Vergnügen, bald ging es aufwärts und bald stürzte es wieder nieder.
Die Berge waren groß, sie schienen sich zu drehen. Die ganze Gebirgswelt
erschien mir wie ein gewaltiges Theater. Herrlich schmiegte sich die Straße an
die Bergwände an. Da kam ich hinab in eine tiefe Schlucht, zu meinen Füßen
rauschte ein Fluß, die Eisenbahn flog mit prächtig weißem Dampf an mir
vorüber. Wie ein glatter, weißer Strom ging die Straße durch die Schlucht und
wie ich so lief, war's mir, als biege und winde sich das enge Tal um sich selber.
Graue Wolken lagen auf den Bergen, als ruhten sie dort aus. Mir begegnete ein
junger Handwerksbursche mit Rucksack auf dem Rücken, der fragte mich, ob
ich zwei andere junge Burschen gesehen habe. Nein, sagte ich. Ob ich schon von
weit her komme? Ja, sagte ich, und zog meines Weges weiter. Nicht lange, und
so sah und hörte ich die zwei jungen Wanderburschen mit Musik daherziehen.
Ein Dorf war besonders schön mit niedrigen Häusern dicht unter den weißen
Felswänden. Einige Fuhrwerke begegneten mir, sonst nichts, und ein paar
Kinder hatte ich auf der Landstraße gesehen. Man braucht nicht viel Besonderes
zu sehen. Man sieht so schon viel.