Kleine Dichtungen
Sommerfrische
Was tut man in der Sommerfrische? Du mein Gott, was soll man viel tun?
Man erfrischt sich. Man steht ziemlich spät auf. Das Zimmer ist sehr sauber. Das
Haus, das du bewohnst, verdient nur den Namen Häuschen. Die Dorfstraßen sind
weich und grün. Das Gras bedeckt sie wie ein grüner Teppich. Die Leute sind
freundlich. Man braucht an nichts zu denken. Gegessen wird ziemlich viel.
Gefrühstückt wird in einer lauschigen, sonnendurchstochenen Gartenlaube. Die
appetitliche Wirtin trägt das Frühstück auf, du brauchst nur zuzugreifen. Bienen
summen um deinen Kopf herum, der ein wahrer Sommerfrischenkopf ist.
Schmetterlinge gaukeln von Blume zu Blume, und ein Kätzchen springt durch
das Gras. Ein wunderbarer Wohlgeruch duftet dir in die Nase. Hiernach macht
man einen Spaziergang an den Rand eines Wäldchens, das Meer ist tiefblau, und
muntere braune Segelschiffe fahren auf dem schönen Wasser. Alles ist schön. Es
hat alles einen gewinnenden Anstrich. Dann kommt das reichliche Mittagessen,
und nach dem Mittagessen wird unter Kastanienbäumen ein Kartenspiel gespielt.
Nachmittags wird im Wellenbad gebadet. Die Wellen schlagen dich mit
Erfrischung und Erquickung an. Das Meer ist bald sanft, bald stürmisch. Bei
Regen und Sturm bietet es einen großartigen Anblick dar. Nun kommen die
schönen stillen Abende, wo in den Bauernstuben die Lampen angezündet
werden und wo der Mond am Himmel steht. Die Nacht ist ganz schwarz, kaum
durch ein Licht unterbrochen. Etwas so Tiefes sieht man nirgends. So kommt ein
Tag nach dem andern, eine Nacht nach der andern, in friedlicher Abwechslung.
Sonne, Mond und Sterne erklären dir ihre Liebe, und du ihnen ebenfalls. Die
Wiese ist deine Freundin, und du ihr Freund, du schaust während des Tages
öfters hinauf in den Himmel und hinaus in die weite zarte weiche Ferne. Am
Abend, zur bestimmten Stunde, ziehen die Rinder und Kühe ins Dorf hinein, und
du schaust zu, du Faulenzer. Ja, in der Sommerfrische wird ganz gewaltig
gefaulenzt, und eben das ist ja das Schöne.