Kleine Dichtungen

Robert Walser · Kapitel 52 von 126

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Kleine Dichtungen

Der Hanswurst

 

Da ist einer, sie nennen ihn Hanswurst, weil er so ein dummer Mensch ist,

der zu nichts Rechtem zu gebrauchen ist. Ich kenne ihn wohl, den liederlichen,

unklugen Burschen. Es ist mir im Leben noch keiner begegnet, zu dem ich

rascher hätte sagen mögen: »Du bist ein Schelm«, und keiner, der mich mehr

nötigte, über ihn zu lachen. Wenn dumme und ungesunde Einfälle Zinsen

eintragen, so gehört er zu den reichen Leuten, aber die Wahrheit ist: er ist arm

wie eine Spitzmaus. Ein Sperling hat nicht so wenig Aussicht, es in der Welt zu

etwas zu bringen als er, und dennoch kennt er nur Fröhlichkeit, und es ist mir

noch nie gegönnt gewesen, einen Zug von Unlust in seinem Spitzbubengesicht

zu entdecken. Einmal wollte ihn jemand befördern, Hanswurst aber ergriff die

Flucht vor der Beförderung, als wenn sie ein Unheil sei; so dumm benahm er

sich im wichtigsten Moment seines Lebens. Er ist und bleibt ein Kind, ein

Dummkopf, der das Bedeutende vom Unbedeutenden, das Schätzenswerte vom

Wertlosen nicht zu unterscheiden vermag. Oder sollte er am Ende klüger sein,

als er selber ahnt, sollte er mehr Witz haben, als er fähig ist zu verantworten?

Liebe Frage, ich bitte dich, bleibe hübsch unbeantwortet. Hanswurst ist

jedenfalls glücklich in seiner Haut. Eine Zukunft hat er nicht, aber er begehrt

auch gar nicht, etwas derartiges zu haben. Was soll aus ihm werden? Bete doch

einer für ihn! Er selber ist zu dumm dazu.