Kleine Dichtungen
Der Hanswurst
Da ist einer, sie nennen ihn Hanswurst, weil er so ein dummer Mensch ist,
der zu nichts Rechtem zu gebrauchen ist. Ich kenne ihn wohl, den liederlichen,
unklugen Burschen. Es ist mir im Leben noch keiner begegnet, zu dem ich
rascher hätte sagen mögen: »Du bist ein Schelm«, und keiner, der mich mehr
nötigte, über ihn zu lachen. Wenn dumme und ungesunde Einfälle Zinsen
eintragen, so gehört er zu den reichen Leuten, aber die Wahrheit ist: er ist arm
wie eine Spitzmaus. Ein Sperling hat nicht so wenig Aussicht, es in der Welt zu
etwas zu bringen als er, und dennoch kennt er nur Fröhlichkeit, und es ist mir
noch nie gegönnt gewesen, einen Zug von Unlust in seinem Spitzbubengesicht
zu entdecken. Einmal wollte ihn jemand befördern, Hanswurst aber ergriff die
Flucht vor der Beförderung, als wenn sie ein Unheil sei; so dumm benahm er
sich im wichtigsten Moment seines Lebens. Er ist und bleibt ein Kind, ein
Dummkopf, der das Bedeutende vom Unbedeutenden, das Schätzenswerte vom
Wertlosen nicht zu unterscheiden vermag. Oder sollte er am Ende klüger sein,
als er selber ahnt, sollte er mehr Witz haben, als er fähig ist zu verantworten?
Liebe Frage, ich bitte dich, bleibe hübsch unbeantwortet. Hanswurst ist
jedenfalls glücklich in seiner Haut. Eine Zukunft hat er nicht, aber er begehrt
auch gar nicht, etwas derartiges zu haben. Was soll aus ihm werden? Bete doch
einer für ihn! Er selber ist zu dumm dazu.