Kleine Dichtungen
Das Kätzchen
Ich kam nur eben vom Berg herab in eine kleine, nette, altertümliche
Vorstadt hinein. Ein Haus stand da, das war so zart, als blinzle es mit seinen
Augen, will sagen, mit seinen Fenstern. Eine alte Frau stand an der Straße und
streckte ihren Kopf in eines der Fenster, sie führte wohl ein gehäkeltes Gespräch
mit einer Nachbarin. Aber die Hauptsache ist: ich sah vor dem Haus eine Katze,
nein, keine Katze, sondern ein junges Kätzchen, gelb und schneeweiß von Farbe.
Durchs Fenster, welches geschlossen war, sah ich eine gute alte Frau an der
Nähmaschine sitzen und fleißig nähen. Ganz entzückt von dem lieben kleinen
Kätzchen blieb ich stehen, um das Tier sorgfältig zu betrachten, welches da ganz
still saß, den Schwanz zwischen die Vorderpfoten geringelt. Die Frau sah, daß da
ein fremder Mann so still stand, sie trat ans andere Fenster, das offen war, und
schaute zu mir heraus mit freundlichen Augen. »Ach so,« sagte sie, »Sie schauen
sich wohl die Katze an.« »Ja,« sagte ich. Das Kätzchen schaute zu der Frau
hinauf und ließ ein kleines, feines, süßes Miauen vernehmen, wobei es die
Zähnchen zeigte. Ich grüßte die Frau und ging weiter. Noch aber bog ich mich
einmal zurück und sah, wie das Kätzchen nach einem dürren Blatt haschte. Wie
der Wind wirbelte das liebe muntere Tier herum. Wirklich wehte auch gerade der
Seewind. Ich kam durch die Stadt, die nur eine einzige, dafür aber breite Straße
besitzt. Nun, und da kugelten zwei Jungen am Boden, zwei drollige Jungen,
noch nicht einmal für die Schule reif. Was vermag ich noch beizufügen? Nicht
sonderlich viel. Ein großes altersgraues Schloß war da, und daneben floß ein
Strom. Ich ging heim, und während ich so heimwärts ging, hatte ich immer noch
in Gedanken mit dem gelben und weißen Kätzchen zu tun. Wie man doch nur
achten mag auf so kleinliche Dinge.