Kleine Dichtungen
Ausgang
Ich ging hinaus in das kalte Morgengrauen. Bäume und Häuser schwarz und
Rauch in der Straße. Nach und nach hellte es sich auf. In den Stuben brannten
die Lampen. Wovon ich aber besonders sprechen will: ich ging hinter drei
Mädchen, die zur Schule liefen. Viele andere kleine Kinder liefen ebenfalls zur
Schule. Eines der drei Mädchen ging so schön. Ihre kleinen, weichen und schon
so vollen Beine machten die lieblichste Musik. Ich konnte mich nicht satt daran
schauen. Zwei winzige Zöpfe hingen ihr den Nacken herab über den Rücken.
Die Kleine war schon so weiblich bei der Jugendlichkeit, schon so reif bei der
unschuldigen Unreife. Herrlich sah es aus, wie die Schuhe so weich, mild und
voll waren mit dem Fuß, und wie die ganze Figur so leicht und doch so
angenehm schwer vor mir hinlief, und wie das kleine zierliche Stiefelabsätzchen
sich so anmutig krümmte unter der schönen, leichten, weichen Last. Die Formen
an dem Kind waren so groß, redeten so weich. Bald traten indessen die Mädchen
in das Schulhaus, und ich ging meines Weges durch den kalten, dunklen
Wintermorgen weiter. Ein paar Häuser und ein paar Bäume und wenige
Menschen. Es tat mir alles so wohl. Der Weg und die Wiese waren hartgefroren,
und die Berge entlang lag eine graue Wolkenschicht, so fest, als könne sie nicht
mehr weggehen. Zierlich wie Kinder standen kleine Bäume im Wiesengrün, und
dann sah ich eine zarte, liebe, feine, grüne Anhöhe und das altersgraue Dach von
einem Bauernhaus, zwei Hunde, noch einen anderen Hund, der mich mit seiner
warm-nassen Nase antupfte, als sei es ihm darum zu tun, mir guten Morgen in
aller frischen, kalten Frühe zu wünschen, Arbeiter, die Steine abluden. Einmal
sah ich zu einem niedrigen Fenster hinein. Eine schöne junge Frau im
schneeweißen, reizenden Morgengewand stand hinter den Fensterscheiben und
schaute mich an. Manches schaute auch ich an. Man sieht immer etwas.