Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 103 von 139

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Mein Lied

Unfaßbar.

Die Seele der Gottheit

Ist ruhendes Sein,

Ist wunschlos und streitlos,

Ist raumlos und zeitlos,

Ist Frieden allein.

 

Unfaßbar.

Nahe ist Werden und Leben und Sterben beisammen, Früher die endlose Zeit — später die endlose Zeit, Kurz vor den Tagen, in welchen ich fühle und denke, War ich ein formloses Nichts, war es von Ewigkeit her. Kurz nach den Tagen, in welchen ich walte und webe, Bin ich ein formloses Nichts, werd' es in Ewigkeit sein. Wie er doch sein kann, der winzige Punkt, wo ich stehe, Wie es nur möglich, denselben zu fühlen just jetzt? War es nicht immer der gleiche, weltenumgaukelte Schwerpunkt? Wußt' ich's nicht ewig, fühl' ich's nicht ewig: Ich bin?

 

Ewiges Sein.

»Wer soll sich nicht heute

Noch freuen des Lichts?

Wir sinken schon morgen

Ins ewige Nichts.«

Hat je sich der Galgenfrist

Einer gefreut,

Der unwendbar morgen

Dem Henker geweiht?

Die Freude an heute

Hat nur einen Wert,

Wenn ewig und ewig

Sie uns wiederkehrt.