Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 120 von 139

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Mein Lied

Festgruß.

Aus Zeiten, längst verflossen,

Ist uns der Väter Art

Ins warme Herz gegossen,

Daß sie die Scholle wart'.

So danken wir in Tat und Spiel,

Daß dieses Land vom Himmel fiel

Und unser Heim geworden.

Und daß nicht durch die Pforten

Zieh' fremder Geist herein,

Der Ahnen Kraft zu morden,

Die Brüder zu entzwein —

Des laßt in Einigkeit uns stark

Der heißgeliebten Steiermark,

Der heiligen Heimat walten.

Und damit nicht erkalten

Die Heimatliebe mag,

Soll nunmehr sich gestalten

Ein froher Steirertag,

Zu zeigen, daß in Glück und Not,

Und wenn den Brüdern Unheil droht,

Wir treu zusammenhalten.

 

Festgruß.

Geweiht dem Wiener Sängerbunde zu seinem fünfzigjährigen Jubiläum.

Ein Herold im freien Alpenland

Naht brüderlich deutschen Söhnen,

Zu grüßen als Sänger mit schlichtem Wort

Die Sänger mit klingenden Tönen.

Grüß Gott! Grüß Gott! erschall aufs neu

Des Vaterlandes Ehr' und Treu!

Es grüßt euch, Sänger, die blühende Stadt

Mit frohem Festesrauschen,

Bereit, der Menschheit hohem Lied Von eurem Mund zu lauschen.

In ernster Zeit aus Mannesbrust

Ein froher Sang ist Trost und Lust.

Das Jauchzen des Glücks, das Drohen des Zorns, Das Gelöbnis zum Bruderbunde,

Es klinge hinaus im dreifachen Lied

Der hehren Weihestunde;

Es wecke Freude, Mut und Kraft

Und dämpfe rohe Leidenschaft.

Den ersten Sang, o singet ihn froh

Im seligen Ahnen und Sehnen,

Er gilt dem Geiste der Ewigkeit,

Er gilt dem Guten und Schönen.

Die Guten und Schönen auch unserer Wahl,

Begrüßet sie minnig im Liedesschall!

Den zweiten Sang, o singet ihn laut,

Er braus' von Geschlecht zu Geschlechte,

Das Schwert in der Hand, so weihet ihn, traun,

Für heilige Menschheitsrechte.

Der Unschuld Schutz, der Freiheit Wehr,

Der Falschheit Trutz, der Wahrheit Ehr'!

Den dritten Sang, Walkürenruf,

Die Schilder kühn geschwungen!

Des Vaterlandes Hochgesang

Erschall von allen Zungen.

Dem deutschen Volk in Fried' und Streit

Mit Herz und Hand in Ewigkeit.

Der Gott, der Eisen wachsen ließ,

Erschuf auch klingende Kehlen,

Und manches, was das Schwert zerriß,

Das Lied kann's wieder vermählen.

Der Schönheit Band, der Freude Gruß

Die Menschen brüderlich einen muß.