Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 29 von 139

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Mein Lied

Er will mich nicht verstehen.

Du fragst, warum man jung sein muß,

Du fragst, wozu so verstohlen der Kuß?

— Ei, das solltest du wissen!

»Mein Knab', daß Mägdlein fragen gern

Und tun, als läg' ihnen alles fern —

Ei, das solltest du wissen!«

 

Er will mich nicht verstehen.

Er will mich nicht verstehen.

Und wenn ich ihm nicke

Mit glühendem Blicke

Den Morgengruß zu;

Und wenn ich ihm pflücke

Ein Blümlein, und schicke

Ein Bändchen dazu;

So fragt er noch: Warum?

Und will mich nicht verstehen!

Er will mich nicht verstehen.

Und wenn ich die lose

Und blühende Rose

Gar minniglich küß';

Und ich ihm dann sage,

Halb klage, halb frage:

Ist küssen nicht süß?

So fragt er kalt: Warum?

Und will mich nicht verstehen!

Er will mich nicht verstehen!

Und sag' ich auch innig:

Ich habe so sinnig

Geträumt von dir;

Als hätt' ich am Raine

Das Häuschen, das kleine,

Bewohnt mit dir!