Mein Lied
Eine Stimme in der Wüste.
— — — — — — — — — — — — — —
Am erstbesten Eichbaum zerschlag' ich die Leier!
Eine Stimme in der Wüste.
Es mußt' ein wildes Schlachten kommen,
Du, Welt, verträgst den Frieden nicht,
Du schreist nach ihm, und naht er schüchtern,
So schlägst du ihm ins Angesicht.
Ich sah noch keinen Tag erstehen,
Der nicht entfacht vom Reinen war,
Und keine Sonne sah ich sinken,
Die trüb nicht vom Gemeinen war.
O dummes, bettelhaftes Prahlen
Mit deines Fortschritts großen Siegen,
Wenn unter den brutalen Füßen
Zermalmt der Seele Schätze liegen.
Zermalmt ist mit den Götzenbildern
Auch Jovis hehre Lichtgestalt,
Und deine neuen Lichter leuchten,
So wie der Fäulnis Phosphor strahlt.
Du weißt so viel und bist nicht weise,
O sage, Welt, ob dir denn wohl ist
Bei deiner krausen Hochkultur, die
Außen bunt und innen hohl ist?
Den Hexentanz des Lebens tanzt
Die Kunst getreulich mit; die Taube
Entsank den reinen Himmelshöhen
Und flattert halbbetäubt im Staube.
Die Güte und die Menschenwürde,
In heißen Kämpfen dir errungen, Ist fremd geworden deinem Herzen,