Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 18 von 139

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Mein Lied

Ein Freund ging nach Amerika.

Deine kahlen Berge und Schluchten,

Deine schattenlosen Buchten,

Deine heißen Terrassen

Und staubigen Straßen,

Deine gekochten Lüfte,

Deine einschläfernden Düfte

Und übelriechenden Dünste,

Deiner schmutzigen Gassen

Lautes Sichgehenlassen,

Deiner Wirte Kniffe und Künste,

All das zusammen

Macht mich erlahmen.

Wie soll im weltfremden Wesen

Der Sohn des stillen Waldes genesen?

Dazu des Meeres unendliche Weite,

Die Länder der Erde all bespülend,

Die Sehnsucht weckend und nicht erfüllend.

So muß man am fremden Eiland kleben

Wie ein Verbannter, und tatlos leben.

O sonniger Süden

Mit deinen Rosen, mit deinen Maien!

Weltumworbenes Paradies,

Ich will dich benedeien;

Wärst du meiner Kindheit

Trautsame Heimat,

Wie wollt' ich in Treuen

Selig mich freuen.

Doch ich bin Germane,

Die sonnige Glut,

Der süße, südliche Seim

Zersetzt mir das Blut.

M e i n e s Glückes Kern und Keim Ist deutscher Wald,

Und mein Paradies heißt N e b e l h e i m .

 

Ein Freund ging nach Amerika.