Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 129 von 139

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Mein Lied

Dem Verein der Künstler in Wiesbaden auf eine Sendung.

Was dich lehrt bombastisch der Lektor,

Das l e b t der N a r r dir lachend vor.

Dem Verein der Künstler in Wiesbaden auf eine Sendung.

O heiliger Becher goldenen Weins!

Bist du nicht zwei, so bist du mir Eins.

Nun sei auch mein flinker Pegasus,

Der froh überbringt den Dankesgruß

Bis nah den Gestaden von Mainz.

Dort lasse dich nieder auf Wiesbadens Flur,

Und biet einen Bruderkuß dar von der Mur

Den Männern des Künstlervereins —

O Tropfen, der mich erquickt und beglückt,

O Flamme, die mich berückt und entzückt,

Im seligen Taumel des Seins.

Kein Trunk hat mich jemals so lodernd entfacht, Als du, mich den Göttern so nahe gebracht,

Voll wonnig olympischen Scheins.

— Ich trinke euch zu, ich jauchze euch zu!

Ich preise dich, feurige Labe du,

Allheitere Seele des Rheins!

Der Tischgesellschaft.

1901.

Ach wie wär's im Kruge lustig,

Doch zu Hause bleiben mußt' ich,

Hab's ein bißchen auf der Brust ich.

Traun, die halben Nächte pfauch' ich

Und die andern halben hust' ich.

Abschied vom Krug.

Es war einmal 'ne schöne Zeit,

Da saßen wir zu zehnt, zu zweit

In Kleinoscheggers Weinlokal.

Es war einmal.