Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 68 von 139

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Mein Lied

Der Glückliche.

Lieb' und Treue, blöder Wicht,

Hast du dir gewählt.

Liebe stirbt, Vertrauen bricht,

Was du meinst, das gibt es nicht

Auf der dummen Welt.

Einst war ich so froh und rein,

Wie ein Maientag,

Jetzt, o Nebel, hüll mich ein,

Weil ich Lust und Sonnenschein

Nimmer sehen mag.

Wie ein blätterloser Baum

Steh' ich auf der Heid',

Dürres Laub vom Waldessaum,

Starres Eis und Flockenflaum

Ist mein Hochzeitskleid.

Sterben ist ein' harte Buß',

Wem es nicht gefällt.

Mir ist's redlich zum Verdruß,

Daß ich heut noch l e b e n muß

Auf der dummen Welt.

 

Der Glückliche.

Seit vielen Jahren genieß' ich die Welt,

Teils geistig und teils leiblich.

Daß so viel Glück ins Herz mir fliegt,

Ich kann's und kann's nicht finden, wo's liegt,

Es ist ganz unbeschreiblich.

Wir lieben die Lieb', wir nennen die Lieb',

Ob männlich oder weiblich.

Wir fühlen die Seligkeit, fühlen die Pein,

Und wissen nicht ja, und wissen nicht nein,

Es ist ganz unbeschreiblich.