Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 91 von 139

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Mein Lied

Ständchen.

Ein Schmuck nur wortelustiger Zungen.

O, nichts vom vorigen Jahrhundert

Hast du dir, Welt, gemacht zu Nutzen,

Als bloß die Kunst, mit frechem Flunker

All deine Torheit aufzuputzen.

Die graugelockte Weisheit schweiget,

Die unerfahrne Jugend spricht;

Besiegt, ruft sie, sind Elemente!

— Die Leidenschaften sind es nicht.

Von Hohn und Geifer der Parteien

Seh' ich mein Vaterland beflecket,

Die Führer blind und taumelnd, bis sie

Ein grauses Menetekel wecket.

Dann mitten in der wilden Drangsal

Wird männiglich die Welt verfluchen,

Doch ringend mit den Nachtdämonen

Den Flug in lichtere Höhn versuchen.

Das stete Glück macht Sünder, Toren,

Und kleines Unheil Weltverhöhner.

Die maßlos schwere Not allein ist

Der große Sühner und Versöhner.

 

Ständchen.

In einer Winternacht

Hab' ich dies Lied erdacht,

Es sei als Minnesang

Der Mitwelt dargebracht. —

Ihr Menschen seid nicht wert,

Daß man euch liebt und ehrt,

Daß man sein Herzblut gibt

Für das, was ihr begehrt, Denn euer Wunsch ist Wahn,