Mein Lied
Wiens Genius.
All Schutz und Schirm erfahren.
Wie mancher Gesang der Weihestund',
Wie manches Lustjauchzen der Tafelrund'
Hat hier gebraust und geklungen.
Wie mancher Funke und Bildungskeim
Ist siegreich aus diesem Geistesheim
Ins weite Tal gedrungen.
So wird man dem immer noch frischen Verein
Das Fest der Erinnerung gerne verzeihn,
Der treuen Verharrung zum Lohne.
Die Einigkeit war unser Grund und Fach,
Die Einigkeit war unser Turm und Dach,
Die Einigkeit sei unsre Krone.
Wiens Genius.
Am Grabe Anzengrubers.
(Zur Enthüllungsfeier seines Denkmals 1895.)
Ich singe hell an seiner Gruft
Und spiele froh die Leier;
Am Grabe des Unsterblichen
Gibt's keine Todenfeier.
Ihr in der Ferne seht des Meisters
Herrliches Vollbringen;
Ich weiß von seinem Menschentum
Ein rührend Lied zu singen.
Sein Haupt ist schön, auch wenn ich es
Des Lorbeerzweigs entblöße,
Wohl, Dichterkönnen preis' ich hoch,
Noch höher Menschengröße.
Wir Freunde sein, wir denken still
Zu dieser Stund' aufs neue
An seines Wesens schlichte Art, An seine Mannestreue.