Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 116 von 139

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Mein Lied

Wiens Genius.

All Schutz und Schirm erfahren.

Wie mancher Gesang der Weihestund',

Wie manches Lustjauchzen der Tafelrund'

Hat hier gebraust und geklungen.

Wie mancher Funke und Bildungskeim

Ist siegreich aus diesem Geistesheim

Ins weite Tal gedrungen.

So wird man dem immer noch frischen Verein

Das Fest der Erinnerung gerne verzeihn,

Der treuen Verharrung zum Lohne.

Die Einigkeit war unser Grund und Fach,

Die Einigkeit war unser Turm und Dach,

Die Einigkeit sei unsre Krone.

 

Wiens Genius.

Am Grabe Anzengrubers.

(Zur Enthüllungsfeier seines Denkmals 1895.)

Ich singe hell an seiner Gruft

Und spiele froh die Leier;

Am Grabe des Unsterblichen

Gibt's keine Todenfeier.

Ihr in der Ferne seht des Meisters

Herrliches Vollbringen;

Ich weiß von seinem Menschentum

Ein rührend Lied zu singen.

Sein Haupt ist schön, auch wenn ich es

Des Lorbeerzweigs entblöße,

Wohl, Dichterkönnen preis' ich hoch,

Noch höher Menschengröße.

Wir Freunde sein, wir denken still

Zu dieser Stund' aufs neue

An seines Wesens schlichte Art, An seine Mannestreue.