Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 78 von 139

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Mein Lied

Hölle

Eines Sünders Reuelieder.

I.

Die süßeste von allen meinen Sünden,

Die hab' ich, schönes Kind, mit dir begangen;

Die härteste von allen harten Strafen,

Die hab' ich, böses Weib, um dich empfangen.

Geblendet von der Schönheit deines Leibes,

Und dann verzehrt von deiner Liebe Gluten,

So starb ich hin und ließ den Geist verlöschen,

Und ließ in Seligkeit das Herz verbluten.

Der Jüngling starb, das Weib gebar den Mann

Zu neuer Sehnsucht und zu neuer Lust,

Doch fand er keine mehr, so süßen Wehs,

Als jenes Sterben war an deiner Brust.

Und heiß durchwühl' ich alle Lebenstiefen,

Den Funken Glücks noch einmal zu ergründen,

Und büß' mit ewig unerfüllter Sehnsucht

Die süßeste von allen meinen Sünden.

II.

Ach, daß ich den ersten reinen

Engelfrommen Kuß im Leben

Einem Mädchen hab' gegeben,

Schuldbefleckt, und nicht dem meinen!

Was soll ich dem Bräutchen sagen,

Wenn es schuldlos, reingesittet

Um den ersten Kuß mich bittet,

Den ich schon zu Grab getragen!

Ach, ich will mit meinen Lippen

Nun den scharfen Dornstrauch küssen,

Um das giftige Blut zu büßen, — Dann erst an den ihren nippen.