Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 107 von 139

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Mein Lied

In einer Waldkapelle.

Denn dann erst, wenn Gatte und Kinder bei ihr sind, will freudig sie eingehn zur Seligkeit.

Diese Frau, mein göttliches Kind, wenn du heimkehrst, wird fragen dich mit weinendem Lächeln, wie es doch war, als du den Weihnachtsbaum stelltest in das verwaiste Haus den jubelnden Kindern?

O, sag ihr, wie frisch in den jungen Gemütern die früh uns verwelkte Lust dieser Welt wieder aufblüht.

Und sage, wie selig ich bin in den Kleinen, wie heiß ich ihr danke!

Und das, wie ich immer noch weinen muß — Bote der Liebe — das sag ihr nicht.

 

In einer Waldkapelle.

»Aus Todesbanden

Ist der Sohn erstanden,

Und sie, das heiligste Weib der Schmerzen,

In der ewigen Jugend Strahl,

Stieg empor auf Rosenwolken

Zum himmlischen Königssaal.« —

O, Dank den Zungen,

Die dies Lied gesungen

Das erstemal in Glauben und Hoffen.

Unser Leib sinkt der Erde zu,

Doch dir, o Herz, steht im Lichte

Heiliger Dichtung der Himmel offen!

In Lebensstürmen verlischt der Schimmer,

Der kindliche Glaube vergeht wie Tau.

Und kommt wie Tau. Denn eins laß ich nimmer: Das glorreiche Anbild der göttlichen Frau.

Maria, Maria,

Mit deinen Schmerzen,

Mit deinen Freuden!

In meinem Herzen

Bist von allen

Den Idealen,

Den herrlichen, süßen, lieben,

Mir du noch geblieben.

Deines Gedächtnisses Segen

Möge uns retten

Aus der Verzweiflung finsteren Wegen,

Aus der Leidenschaft ehernen Ketten.

— O, ewigen Preis

Der Gebenedeiten,

Der Gnadenreichen!

Erd' und Himmel zu allen Zeiten

Haben nichts, dir zu vergleichen.

Die Könige ruhen zu deinen Füßen,

Die Scharen der heiligen Engel küssen

Den Saum deines leuchtenden Kleides;

Und in den Kammern

Des Elendes jammern

Die lichtlosen Kinder des Leides;

Die Gefallenen weinen

Zu dir, der Reinen,

Die gebrochenen Herzen,

Die verlornen Seelen

Dürsten nach deinen labenden Quellen.

Auf Schutt und Trümmern

Irdischer Freuden,

Auf teuren Gräbern,

Unter Trauerweiden

Blicken Augen tränenumhüllt,

Suchen, Maria,

Du Mutter der Liebe,

Dein himmlisches Bild. —

O, laß uns Kinder der Erde nimmer

Verlieren ganz deiner Minne Schimmer.

Maria, Maria, dies bitten wir!

Und wenn Felsen stürzen

Und die Himmel beben,

Huldreiche Frau, Laß bestehen, laß leben