Mein Lied
Diese Mädels!
Daß sie, nur sie allein, die Schönste sei der Schönen. Und es gelang mir, solches zu bestärken,
So gründlich, daß — bevor ich es konnt' wähnen — Diese kunstvoll hübsch gedrehten Liebesphrasen Ich selber treulich glaubte. Und bevor
Das Liedchen fertig noch, begann ich schon zu rasen, Aus purer Leidenschaft, die bis ans Ohr
Mir tückisch heiß tat steigen — —
Was dann geschah! — Ach, laßt mich schweigen. —
Und hast du einen Freund, das lehret die Moral,
So schicke seinem Liebchen nie ein Liedel,
Auch wenn er's selbst erlaubt, wie's hier der Fall, Sonst gibt es einen Tanz nach seiner Fiedel.
Und hast du weidlich Pfeile zu verschießen,
Ich gratulier' dazu, doch mußt du wissen,
Auf welche Scheibe du mit Recht darfst zielen,
Denn Amor, dieser Wicht, er läßt mit sich nicht spielen.
Diese Mädels!
Als ich dem Liebel im Stübel gestand,
Ich würd' es küssen müssen,
Da gab's ein Bildchen mir in die Hand,
Daß ich was hätt' zum Küssen.
Es war der heilige Antonius,
Der Findpatron zum Glücke;
Hatt' ich verloren des Liebchens Herz,
So bracht' er mir's zurücke.
Dann, als sie sah, wie glühend ich
Das Amulett tat küssen,
Da hat sie's heftig, zornig, wild
Mir aus der Hand gerissen.