Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 113 von 139

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Mein Lied

Das Erdbeben in Steiermark

Der Täler Frieden ist dahin,

Und bald der Welt Parol': Gewinn!

Wird herrschend sein.

Doch nimmer klagt und nimmer bangt;

Was eine große Zeit verlangt,

Wird sie auch weihn.

Solang noch Schwert und Kugel droht,

Der Völkerhaß gen Himmel loht,

Solang, solang

Die weite Welt nicht ist befreit,

Gibt's keine Rast in Einsamkeit,

Trotz Lerchensang.

Die neue Bahn, der weder Sprung

Noch hoher Berge Überschwung

Jemals gefiel:

Durch Nacht und Graus, auf kühnem Steg,

Geradeaus den Mittelweg,

Kommt sie ans Ziel.

Ans große Ziel, dem ich und du

Mit heißer Sehnsucht streben zu,

Und weher Not:

Dem Bruderbund von Hand zu Hand,

Von Herz zu Herz, von Land zu Land,

Das walte Gott!

 

Das Erdbeben in Steiermark

in der Nacht zum 1. Mai 1885.

Der sanfte Mai! So herb an unsere Mauern

Hat er noch nie gepocht, als diese Nacht.

Aus tiefem Winterschlafe jäh erwacht,

Erbebt die Erde in Empfängnisschauern?