Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 70 von 139

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Mein Lied

Der unbegreifliche Muskel.

In Gluten und Fiebern lag ich dahin,

Der Doktor kam jeden Tag,

Befühlte den Puls und verschrieb mir Chinin,

Behorchte des Herzens Schlag.

Er horchte durchs Röhrchen, er legte das Ohr

Zur Stelle, wo's seltsamlich schlug,

Es zitterte leis, und es wogte so heiß,

Er wurde durchaus nicht klug.

Der Muskel, er hämmert mit bräutlicher Kraft,

Und doch ist's ein Todesringen!

Wie läßt sich nur mit der Wissenschaft

Das Ding in Einklang bringen?

— Und wenn ich dich soll belehren, Freund,

Ich sag' es nicht zum Scherze,

Was dir nur als ein Muskel erscheint:

Das ist — ein Dichterherze!

 

Es mahnt.

Der Wind vom Kirschbaum Blütenblätter streut, Der Frühling macht's dem Winter nach, es schneit, So mahnt in Wonnetagen leis das Leid. —

Der Buchenwald in roten Feuern glüht.

Der Spätherbst tut's dem Frühling nach, er blüht, So weht der Traum von Glück in herber Zeit.

 

Herbst.

Jugendsonne kehrt nicht wieder.