Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 14 von 139

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Mein Lied

Wenn alle Wälder schlafen.

Und alle Quellen schweigen,

Die Nebel stille steigen,

Die Sterne leis' sich neigen,

Da ist das einsam Leben

Ein selig, selig Sein.

Wenn alle Wipfel flüstern

Und alle Vögel singen,

Wenn alle Geigen fiedeln

Und alle Kehlen klingen,

Da ist das einsam Leben

Wohl eine harte Pein.

Ob träumen still, ob jubeln

Im lauten Kreis der Freuden,

Das beste ist, vom Leben

Ohn' allen Abschied scheiden.

Drum sei das einsam Sterben

Gesegnet nur allein.

 

Ruh' im Walde.

In der Berge Falten tief geschmiegt

Und gewickelt in den weichen Wald,

Wie das Kindlein in der Wiege liegt,

Ist mein liebster Aufenthalt.

Wie die Mutter sang, so singt der Bach,

Und in Wipfeln muntre Vögelein

Rufen mir der Jugend Märchen wach,

Singen mich zum Schlummer ein.

Von den Kronen wehen Blütenreigen,

Decken mich im kühlen Schatten zu, Und ein Engel flüstert's allen Zweigen: