Mein Lied
Dichters Wunsch.
Und am reinsten mag gedeihn:
In der A r b e i t suche Menschen,
Doch im S c h a f f e n bleib mit dir allein. Wie's auch jeder hält nach seiner Weise,
Lasse eins gesagt dir sein:
Wenn du hassest, meide Menschen,
Wenn du liebst, bleib n i c h t mit dir allein.
Dichters Wunsch.
Ach, wie gerne möcht' ich wissen
Oft, zu wem mein Sprüchlein spricht!
Hunderttausend Leser hab' ich,
Aber e i n e n hab' ich nicht.
Hunderttausend Leser heißen
Publikum, und ihre Zahl
Wird willkommen der Verleger
Heißen hunderttausendmal.
Einen möcht' ich, e i n e n haben,
Den ich kenn', von dem ich weiß,
Daß er jede meiner Zeilen
Liest mit Liebe und mit Fleiß.
Einen einzigen ganzen Menschen,
Einen ruft der Dichter an,
Dem er all sein Denken, Dichten,
Frohes Schaffen weihen kann.
Einmal hatt' ich einen solchen,
Habe nur an i h n gedacht,
Habe nur für i h n gedichtet
Und mein Herz ihm aufgemacht.
Also sprach der Mensch zum Menschen
Traut mit leiser, warmer Stimm', Und die hunderttausend Leser