Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 59 von 139

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Mein Lied

Dichters Wunsch.

Und am reinsten mag gedeihn:

In der A r b e i t suche Menschen,

Doch im S c h a f f e n bleib mit dir allein. Wie's auch jeder hält nach seiner Weise,

Lasse eins gesagt dir sein:

Wenn du hassest, meide Menschen,

Wenn du liebst, bleib n i c h t mit dir allein.

 

Dichters Wunsch.

Ach, wie gerne möcht' ich wissen

Oft, zu wem mein Sprüchlein spricht!

Hunderttausend Leser hab' ich,

Aber e i n e n hab' ich nicht.

Hunderttausend Leser heißen

Publikum, und ihre Zahl

Wird willkommen der Verleger

Heißen hunderttausendmal.

Einen möcht' ich, e i n e n haben,

Den ich kenn', von dem ich weiß,

Daß er jede meiner Zeilen

Liest mit Liebe und mit Fleiß.

Einen einzigen ganzen Menschen,

Einen ruft der Dichter an,

Dem er all sein Denken, Dichten,

Frohes Schaffen weihen kann.

Einmal hatt' ich einen solchen,

Habe nur an i h n gedacht,

Habe nur für i h n gedichtet

Und mein Herz ihm aufgemacht.

Also sprach der Mensch zum Menschen

Traut mit leiser, warmer Stimm', Und die hunderttausend Leser