Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 16 von 139

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Mein Lied

Meine Lust ist Leben.

Dann empor zu höchsten Zinken,

Dort wird noch dem Wandrer winken

Der Entsagung blasser Stern.

Ach, an seinen heißen Gluten

Muß zu früh das Herz verbluten,

Und zurück, als letzter Preis,

Bleibt ein wunschlos kühles Träumen

In dem Haupt mit Silbersäumen

— Süßes, seliges Edelweiß!

 

Meine Lust ist Leben.

Gute Nacht, ihr Freunde,

Ach, wie lebt' ich gern!

Daß die Welt so schön ist,

Dankt' ich Gott dem Herrn.

Daß die Welt so schön ist,

Tut mir bitter weh,

Wenn ich schlafen geh!

Ach, wie möcht' ich einmal

Noch von Bergeshöhn

Meine süße Heimat

Sonnbeleuchtet sehn!

Und den Herrn umarmen

In des Himmels Näh',

Eh' ich schlafen geh.

Wie man abends Kinder

Ernst zu Bette ruft,

Führt der Herr mich schweigend

In die dunkle Gruft.

Meine Lust ist leben,

Doch sein Will' gescheh,

Daß ich schlafen geh!