Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 19 von 139

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Mein Lied

Daheim!

Ein Freund ging nach Amerika

Und schrieb mir vor einigen Lenzen:

Schicke mir Rosen aus Steiermark,

Ich hab' eine Braut zu bekränzen!

Und als vergangen war ein Jahr,

Da kam ein Brieflein gelaufen:

Schicke mir Wasser aus Steiermark,

Ich habe ein Kindlein zu taufen!

Und wieder ein Jahr, da wollte der Freund,

Ach, noch was anderes haben:

Schicke mir Erde aus Steiermark,

Muß Weib und Kind begraben!

Und so ersehnte der arme Mann

Auf fernsten, fremden Wegen

Für höchste Freud', für tiefstes Leid

Des Heimatlandes Segen.

 

Daheim!

Was dies Leben mir beschieden,

Es war gut, ich bin's zufrieden.

Könnt' ich eines noch erwerben:

Nur Daheim, D a h e i m zu sterben. Nicht auf fernen Wanderswegen

Möcht' ich mich zur Ruhe legen,

Nirgends auf der ganzen Erde,

Als Daheim am eignen Herde.

Vor des Todes dunklen Schrecken

Wollt' ich nimmer mich verstecken

Wenn aus Augen schmerzbefeuchtet

Liebe mir zu Bette leuchtet,

Wenn die Meinen mich umgeben,

Atmend mein entschwindend Leben,

Und aus gottergebnem Sterben Meines Herzens Frieden erben.