Mein Lied
Daheim!
Ein Freund ging nach Amerika
Und schrieb mir vor einigen Lenzen:
Schicke mir Rosen aus Steiermark,
Ich hab' eine Braut zu bekränzen!
Und als vergangen war ein Jahr,
Da kam ein Brieflein gelaufen:
Schicke mir Wasser aus Steiermark,
Ich habe ein Kindlein zu taufen!
Und wieder ein Jahr, da wollte der Freund,
Ach, noch was anderes haben:
Schicke mir Erde aus Steiermark,
Muß Weib und Kind begraben!
Und so ersehnte der arme Mann
Auf fernsten, fremden Wegen
Für höchste Freud', für tiefstes Leid
Des Heimatlandes Segen.
Daheim!
Was dies Leben mir beschieden,
Es war gut, ich bin's zufrieden.
Könnt' ich eines noch erwerben:
Nur Daheim, D a h e i m zu sterben. Nicht auf fernen Wanderswegen
Möcht' ich mich zur Ruhe legen,
Nirgends auf der ganzen Erde,
Als Daheim am eignen Herde.
Vor des Todes dunklen Schrecken
Wollt' ich nimmer mich verstecken
Wenn aus Augen schmerzbefeuchtet
Liebe mir zu Bette leuchtet,
Wenn die Meinen mich umgeben,
Atmend mein entschwindend Leben,
Und aus gottergebnem Sterben Meines Herzens Frieden erben.