Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 55 von 139

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Mein Lied

Meine Taschenuhr.

Und weil sie gütig von dem Hehren

Als treue Freundin mir gesendet,

So ist sie auch in allen Ehren

Der Küsse wert, die man ihr spendet.

Und trotzdem leider ist sie heute

Der Linken weit zurückgeblieben,

Denn dreist hat sie, und nicht gescheute,

Ihr eigenes schales Lob geschrieben.

 

Meine Taschenuhr.

Wie fühl' ich dich an meinem Herzen schlagen,

Du starkes, reges, goldnes Herz der Zeit!

So wandern wir selbander sonder Zagen

Den dunklen Stundenweg der Ewigkeit.

Der Zeiger kreiset stetig in der Runde,

Ein Sinnbild, wie das Weltenuhrwerk kreist;

Dein H e r z , o Mensch, ist endlich wie die Stunde, Unendlich wie die Runde ist dein G e i s t .

 

Ungeduld.

*

O lieber Gott, wo werden jene Stunden sein,

In welchen mir der Lorbeer wird gewunden sein! »Ha, suche dir die Zweige!« spricht die kluge Welt, »Denn jedes Glück will mühevoll gefunden sein.« Ich darf es nicht, die strenge Pflicht hält mich zurück. Warum muß ich durch Sorg' und Not gebunden sein? Vielleicht, daß man mir einst die schweren Bande löst, Doch wird bishin schon Kraft und Will' verschwunden sein. Und bis man mir zu Lab den milden Balsam beut, Oh, können wohl vernarbt die heißen Wunden sein.