Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 86 von 139

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Mein Lied

Der Reiche.

Doch bin von schlechtem Mammon

Seit Jahr und Tag besessen ich.

Und weil vor dem Verlieren

In Angst und Sorg' ich beben muß,

So hab' ich Not und Elend

Vom Geld, solang ich leben muß.

Und wenn ich's einst verlassen soll,

Wird doppelt hart das Sterben,

Und schmähen einen Geizhals mich

Die tief verhaßten Erben. —

O grauenhaftes Schicksal, du,

Den Mammon zu verfluchen,

Und ihn mit Hungers Hast und Gier

Doch immer müssen suchen.

Dem Armen das Verschmachten

Für seine Seele frommen muß,

Dieweil die meine jämmerlich

Im goldnen Bann verkommen muß.

O Gott, wie wird das enden noch,

Was soll mich Ärmsten laben,

Wenn ich den goldnen Becher leer

In lahmer Hand werd' haben!

Noch einmal möcht' für Göttliches

Auf Erden ich erwarmen.

Erlöse von den Banden mich,

Erbarmen, Herr, Erbarmen!

 

Der Reiche.

Ach, wir armen Reichen werden

Oft der Lästerzungen Beute!

Und wir sind, bei Licht betrachtet,

Doch die allerbesten Leute.

Was! ich nicht getreu der Pflicht?

Hab' geschworen, reich zu werden;