Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 74 von 139

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Mein Lied

Es kommt dereinst ein dunkler Tag.

Ihr krochet hervor aus Sumpf und Schlamm,

Woher auch die Lotosblume kam,

Und ist doch der Sonne liebstes Kind.

Laßt euch nur den Spaß nicht gereuen:

V e r z e i h e n , e r n e u e n , s i c h f r e u e n ! Dann seid ihr, wie die Götter sind.

Nehmt nur nichts schwer und auch nichts krumm; Seid nicht zu klug und nicht zu dumm,

Und bildet euch doch ja nicht ein,

Das rechte so mit Klugheit zu erfragen.

Ist schon die Weisheit zu erjagen,

So kann's eher noch mit einer Torheit sein.

Jeder forsche, was ihm tauge,

Vor jeder Wahrheit, die dich quält,

Verschließe ruhig Ohr und Auge,

Und d i c h t e dir die Welt

Wie sie dir gefällt.

Und träume weiter ....

 

Es kommt dereinst ein dunkler Tag.

O freue dich, mein Brüderlein,

An deines Lebens Sonnenschein,

Doch trau ihm nicht.

Es kommt dereinst ein dunkler Tag,

Noch eh in unnennbarer Klag'

Dein Auge bricht.

Die Werke dein so stolz erstehn,

Du wirst sie einst zerfallen sehn

Und sein ein Mann;

Doch schläft ein treues Herz im Schrein,

Dem du sein kurzes Erdensein

Hast weh getan:

Dann wirst du fröhlich nimmermehr, Wirst um des Toten Wiederkehr